Pot Odds & Outs

Kapitel 2 hatte eine Stelle, an der es spannend wurde und dann einfach weiterging: auf dem Turn fehlte dir eine Karte zum Flush. In der Hand haben beide gecheckt, es kostete nichts.

Jetzt kostet es etwas. Dein Gegner setzt, und du musst entscheiden — nicht nach Gefühl, sondern nach einem Preis. Dieses Kapitel zeigt, wie man ihn ausrechnet.

Outs: die Karten, die dich retten

Ein Out ist eine Karte, die deine Hand zur Gewinnerhand macht.

Zurück zum Turn aus Kapitel 2. Du hältst Karo-Ass und Karo-König, auf dem Board liegen vier Karten — zwei davon sind ebenfalls Karo:

Deine Hand AK
Board Q837

Im Pot liegen 7,5 bb. Es fehlt genau eine Karte zum Flush.

Zählen, nicht schätzen:

Karo im Spiel
13
davon siehst du schon
4
Karo, die noch kommen können
9

Neun. Das ist keine Schätzung, das ist abgezählt: dreizehn Karo gibt es, vier liegen sichtbar, neun sind übrig.

Der Rest ist Teilen. Du siehst sechs Karten — deine zwei und die vier auf dem Board —, also sind 46 unbekannt. Neun von 46 sind 19,6 %.

Knapp jedes fünfte Mal kommt der River-Karo. Vier von fünf Mal nicht — und genau das ist in Kapitel 2 passiert. Die Kreuz-Zwei kam, kein Karo, du hast verloren. Das war kein Fehler. Wer neunmal von zehn eine Karte braucht und sie nicht bekommt, hat nichts falsch gemacht; er hat nur nicht getroffen.

Die einfache Regel

19,6 Prozent rechnet niemand am Tisch aus. Man braucht es auch nicht:

Für die neun Outs auf dem Turn: 9 × 2 = 18 %. Der genaue Wert ist 19,6 % — die Regel liegt anderthalb Punkte daneben und ist damit so genau, wie eine Entscheidung am Tisch sein muss.

Wäre die Karo-Sieben schon auf dem Flop gefallen, hättest du dort neun Outs und zwei Karten vor dir: 9 × 4 = 36 %, genau sind es 35,0 %. Auch das reicht.

Die Regel ist der Grund, warum dieses Kapitel überhaupt praktisch ist. Outs zählen kannst du. Mal zwei rechnen kannst du. Mehr ist es nicht.

Was der Call kostet

Jetzt die andere Hälfte. Auf dem Turn liegen 7,5 bb in der Mitte, und dein Gegner setzt 4.

Es kostet dich 4, um weiterzuspielen. Gewinnen kannst du, was schon da ist — die 7,5 plus seine 4, zusammen 11,5. Die Frage ist nicht „wie viel ist das", sondern: Wie oft müsste ich gewinnen, damit dieser Call sich lohnt?

Und das ist eine Division. Du legst 4 dazu, im Topf stehen danach 15,5:

im Pot
7,5
sein Einsatz
4
dein Call
4
dein Anteil: 4 von 15,5
25,8 %

Du bräuchtest 25,8 %. Du hast 19,6 %. Also Fold — und das ist die Antwort, die viele überrascht: ein Flush-Draw ist nicht automatisch ein Call. Es hängt am Preis.

Denn der Preis ändert sich mit dem Einsatz, und zwar nur mit ihm:

Er setztDu brauchst
ein Viertel des Pots16,7 %
die Hälfte des Pots25,0 %
drei Viertel des Pots30,0 %
den ganzen Pot33,3 %

Diese vier Zahlen sind das ganze Kapitel. Sie gelten immer, an jedem Tisch, in jeder Hand — es ist dieselbe Division. Wer sie kennt, muss nur noch seine Outs zählen und vergleichen.

Setzte dein Gegner statt 4 nur 2 in die 7,5, sähe es anders aus: dann bräuchtest du 17,4 % und hättest 19,6 %. Derselbe Draw, dieselbe Karte, anderer Preis — und aus dem Fold wird ein Call.

Was das Zählen unterschlägt

Nicht jeder Out ist ein ganzer Out — und manchmal sind es mehr. Du hast neun gezählt, weil jedes Karo dir den Flush bringt. Aber ein Ass oder ein König gäbe dir auch ein hohes Paar. Ob das zählt, hängt davon ab, was er hat — und das siehst du nicht.

In Kapitel 2 hast du es am Ende gesehen: er hielt Kreuz-Dame und Herz-Bube, ein Paar Damen. Gegen diese Hand ist jedes Ass und jeder König ebenfalls ein Out:

Karo
9
Asse (nicht Karo)
3
Könige (nicht Karo)
3
Outs, mal 2
15 → 30 %

Mit 15 Outs brauchst du 25,8 % und hast 32,6 %. Aus dem Fold wird ein Call — und du hast nichts anderes getan als genauer hingesehen.

Umgekehrt gilt: auch dein Gegner kann sich verbessern, treffen heißt also nicht gewinnen. Diese Rechnung ist ein Werkzeug, kein Orakel — sie sagt dir, ob der Preis stimmt, nicht ob du gewinnst. Aber sie ist die erste Entscheidung im Poker, die du ausrechnen kannst statt sie zu fühlen, und über tausend Hände ist das der ganze Unterschied.

Übung: Rechnen an derselben Hand

Sechs Fragen, eine Antwort je Frage. Es ist dasselbe Board wie oben — sieh beim Zählen hin, statt dich zu erinnern.

Deine Hand AK
Board Q837

Die Übung braucht JavaScript. Der Text oben steht für sich — die Rechnung kannst du auch ohne sie lernen.

Deine sechs Kapitel

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